Liebe Leserinnen und Leser,
Es gibt viele Möglichkeiten, die Garden-Route entlang der südlichste Küste Afrikas zu bereisen. Am liebsten hätte ich mir ein Auto gemietet und wäre campen gegangen. Aber aus Kosten- und Sicherheitsgründen habe ich mich dagegen entschieden. Leider hatte ich auch niemanden getroffen, mit dem ich das gemeinsam hätte machen können. Die naheliegendste Variante ist mal wieder der Bus für mich, aber welcher? Es gibt extra Touristen Shuttlebusse, die zwischen den Garden-Route-Orten entlang fahren und eine sichere Fahrt bieten… zu einem stattlichen Preis.
Aber ich wäre nicht ich, wenn ich die kostengünstige Variante nicht zumindest ausprobieren würde. Der ganz normale Bus, von der Busstation in Kapstadt, wie in Lateinamerika und Asien auch. Der Unterschied ist, dass ich hier wirklich streng darauf achte, nur tagsüber und mit vollem Verstand und Sinnen unterwegs zu sein… zumindest am Anfang. Dieses Land und seine tiefen Spaltungen vermitteln leider kein besonders sicheres Reisebild… und rückblickend kann ich sagen, dass Südafrika das einzige Land war, in dem ich mich unterwegs unsicher gefühlt und auch Angst hatte beim Reisen. Leider zurecht. Aber ihr habt schon und werdet noch lesen, warum mich das niemals abgehalten hat, dieses Land zu entdecken: Die positiven Seiten überwiegen deutlich!!!!
Also stehe ich am nächsten Morgen um halb acht in der Busstation von Kapstadt. Der Uberfahrer und die Leute im Hostel haben mich mehrfach gewarnt, mich nicht zu lange dort aufzuhalten und immer ein Auge auf mein Umfeld zu haben. Das bin ich längst gewohnt nach der langen Reise. Tatsächlich ist es aber gar nicht so schlimm, was sicherlich an der Uhrzeit liegt. Es ist halb acht. Hauptsächlich sind hier normale Reisende, zu 99% dunkelhäutig, die auch nur in Ruhe von A nach B kommen wollen, Familie bei sich haben, etc. Ich kaufe in einem kleinen Kiosk einen Snack und der Verkäufer ist so freundlich zu mir, dass ich wieder ein bisschen mehr Vertrauen zum normalen Busreisen zu fassen.
Der Bus kommt, ich steige ein und biete den Platz neben mir eine sehr netten älteren Dame an, die sich auch über ein freundliches Gesicht freut. Dann geht es los. Die ca. fünf-stündige Fahrt vergeht sehr schnell. Mein Ziel ist Mossel Bay, wo ich von einer schönen Wanderroute gelesen habe. Leider hat Mossel Bay nicht direkt eine Busstation, sondern der Transfer findet auf dem Parkplatz einer großen Tankstelle statt… Außerhalb der Stadt. Das finde ich nicht so super. Genau das hätte ich gern vermieden. Ich bin aber immer noch von vielen Leuten umgeben und das Tageslicht macht den großen Unterschied. Durch Zufall treffe ich zwei touristisch aussehende junge Männer, die mir eine Nummer geben, das wäre ein Taxiservice. Ich mache ein Foto, bedanke mich und probiere dann trotzdem erst mein Glück mit Uber… und es klappt. Später höre ich jedoch von meinem Hostelwirt, dass das ein großer Zufall war. Eigentlich funktioniert Uber hier nicht wirklich, ich hatte Glück. Besser man lässt sich von den Hostels sichere Taxis bestellen. Das mache ich dann in Zukunft auch so.
Bald darauf fährt das entsprechende Auto heran und ich lege meine Sachen in den Kofferraum. Währenddessen kommt ein Mann auf uns zu und fragt, ob er mit in die Stadt fahren könnte. Ich schau in mir genau an, er wirkt harmlos und wenn wir zu dritt im Auto sind, dass ich von vorne bis hinten über mein Handy tracken kann, ist es für mich okay. Ich sage Bescheid, er kann gern mitkommen, wir fahren nur 15 min in die Stadt. Er bedankt sich freundlich, setzt sich dann vorne zum Fahrer und ich habe die Rückbank für mich.
Klar, solche Situationen können immer schief gehen. Aber da finde ich, dass Uber wirklich eine große Sicherheit bietet, für die ich sehr dankbar bin. Ich sehe jederzeit, wo ich bin, die ID des Fahrers und könnte immer einen Notknopf an meinem Handy bedienen. Inwiefern das in Südafrika hilfreich ist, darüber denke ich nicht zu viel nach. Aber es geht alles gut, wir kommen kurz darauf vor dem Hostel meiner Wahl an und der Mann war sehr froh, nicht den weiten Weg in der brennenden Hitze an der Straße entlang zu laufen.
Ich checke ins Hostel ein, bekomme ein Bett zugewiesen und mache es mir erstmal bequem. Das Zimmer ist recht groß mit vielen Betten und fast alle sind belegt. Aber die Atmosphäre ist gut und im Moment bin ich fast allein, was ich nutze, um mich ein wenig auszuruhen. Die Anspannung fällt ab und ich freue mich, dass der erste Reiseabschnitt hier so gut geklappt hat. Ich beschließe, mich vorerst weiter so fortzubewegen.
Später gelüstet es mich doch noch nach einem kleinen Spaziergang. Nicht weit entfernt ist ein kleiner Strand, an dem ich entlang spaziere, aber man kommt nicht allzu weit. Ich setze mich eine Zeitlang in den Sand und genieße das Wellenrauschen, beantworte ein paar Nachrichten und mache mich dann auf den Rückweg, um noch etwas einkaufen zu können. Gleich nebenan ist ein größerer Supermarkt… doch ich stehe vor verschlossenen Türen… um 17 Uhr. Ernsthaft?
Ernsthaft. Zwei Straßen weiter finde ich einen kleinen asiatischen Markt, der noch bis 19 Uhr offen hat. Dort bekomme ich alles nötige und finde noch ein paar leckere Süßigkeiten (saure Erdbeergummibärchen), dann geht langsam die Sonne unter und ich verziehe mich nach drinnen. Das Hostel hat einen großen Aufenthaltsraum, in dem ein paar Zelte aufgestellt sind, in denen man günstig übernachten kann. Es gibt zwei kleine Balkone, Sessel und Sofas, und eine große Küche. Die Wirte sind auch sehr nett, ich fühle mich wohl hier und schlafe auch ungemein gut.
Am nächsten Tag schnüre ich die Wanderschuhe an und creme mich wie immer kräftig ein, bereit für den Tag in der Sonne. Mein kleiner Rucksack ist gut gepackt mit Verpflegung und Wasser und ich marschiere los. Zunächst muss ich einmal quer durch die Stadt und beschaue mir den englischen Baustil der Häuser und Kirchen. Ein anderer Hostelbewohner meinte, er wäre hier an der Garden-Route um den historischen Spuren von Queen Victoria zu folgen… aber damit habe ich mich nicht beschäftigt, keine Ahnung, ob und wie das Zusammen hängt.





Das Zentrum das ich durchquere ist wieder Teil der weißen Welt von Südafrika, genauso wie die Strandpromenade und der „Erlebnispark“, an dem ich letztendlich ankomme. Dort gibt es ein Aquarium, diverse Spielplätze und eine Zip-Line… die größte der Welt, wie ich später erfahre. Alles ist sauber, ordentlich, riesige Autos parken auf den Parkplätzen und man sieht fast ausschließlich weiße Familien. Dunkelhäutig sind hier am ehesten die Arbeiter, bis auf ein paar Ausnahmen, die mit orangenen Westen ihrem Dienst nachgehen.
Ich spaziere am Park vorbei und erinnere mich an die Beschreibung meines Hostelwirts: Unterhalb der Kirche, die auf dem Hügel steht beginnt der Pfad. Das ist tatsächlich schnell gefunden. Ich gehe keine fünfzig Meter und merke schon, das wird ein großartiger Ausflug!!
Mein Weg heute ist ein alter Fischerpfad, der auf den Klippen entlang bis in den nächsten Ort führt. Diese Pfade gibt es häufig entlang der Küste, aber dieser hier ist schon besonders schön.
Zuerst komme ich an einer Höhle vorbei, in der prähistorische Zeichnungen gefunden wurden. Die wurden natürlich längst in ein Museum verfrachtet, aber die Höhle ist immer noch ziemlich cool. Von dort hat man auch einen schönen Ausblick über das Ende der zivilisierten und den Anfang der natürlichen Welt:





Die Felsenformationen sind ein echter Segen für Schwimmer und Taucher… eben weil man dort schwimmen und schnorcheln kann, ohne dass der tosende Ozean einem etwas anhaben kann. Die Wellen brechen an den Felsen und die zwischen Räume sind fast wie ein Pool. Wenn auch ein sehr kalter. Natürlich bin ich da nachher auch noch rein, aber zuerst führt mich der Pfad immer höher und immer weiter weg von anderen Menschen.
Sobald man oben angekommen ist, wird der Weg relativ flach, nur hin und wieder geht es noch auf und ab, je Formation der Klippe. So kann ich mich entspannt auf die Aussicht konzentrieren, die wirklich unglaublich ist. Der Ozean links von mir kracht mit unglaublicher Kraft auf die Felsen und schimmert türkis-glitzernd in der Sonne.



Die Wellen schäumen richtig und der Wind weht mir um die Ohren, was in der Hitze der Sonne besonders angenehm ist. Die Klippen sind ein Muster aus Vorsprüngen und Buchten, in denen sich das Wasser oftmals auch beruhigt und relativ still zum Halbkreis geformt ist. Fast einladend, aber ich traue mich dann doch nicht, alleine runterzuklettern, das ist auch nicht ganz ungefährlich.


Am Weg entlang blühen dieselben bunten Blumen, die ich schon auf dem Lions Head bewundert habe. Außerdem sehe mehrmals eine Art Murmeltier, sowie viele bunten Echsen, Schmetterlinge und Libellen, die mich auf meinem Abenteuerpfad begleiten.









Ich könnte ewig so spazieren! Die Landschaft ist atemberaubend.









Leider erreiche ich irgendwann einen Punkt, an dem wieder Häuser beginnen. Ab dort, meinte mein Hostelwirt, wäre es besser, wieder umzukehren. Würde ich den ganzen Weg entlang gehen, käme ich an einem anderen Ort raus und müsste mir ein Taxi für die Rückfahrt organisieren. Außerdem gäbe es ab dort häufiger kleinkriminelle Überfälle auf Touristen. Also mache ich kehrt und genieße lieber die Landschaft nochmal von der anderen Seite. So dauert die Wanderung auch insgesamt fast sechs Stunden, mit vielen kleinen Pausen.
Am späten Nachmittag komme ich wieder zurück zum Ausgangspunkt und jetzt bin ich bereit für ein kühles Bad im Ozean. Ich suche mir einen Platz auf den Felsformationen, dort sind auch viele andere Badegäste.

Ich habe auch meine Schnorchelausrüstung dabei, laut meinem Hostelwirt gibt es zwischen den Felsen ein paar kleine Korallen. Also auf ins Wasser und AAaaaahhhh…. ist das KALT!!!! Da war Südostasien schon eine andere Nummer. Der Atlantik hat mich buchstäblich kalt erwischt. Die größte Hürde ist, den Kopf unter Wasser zu bringen zum Schnorcheln, aber irgendwann kann ich mich überwinden und entdecke tatsächlich ein paar schöne Unterwasserbewohner. Wenn auch nicht vergleichbar mit Ko Phi Phi oder ähnlichem, aber das Bad tut nach der Wanderung richtig gut! Zwanzig Minuten später entsteige ich dem kühlen Salzwasser wieder und setze mich kurz in die Sonne, um zu trocknen. Dabei sehe ich, wie ein paar sehr fette, weiße Männer von einem Dachterrassen-Café gegenüber auf dem Gelände lehnen und unverhohlen in meine Richtung starren. Unter dem Raubtier-Blick fühle ich mich unwohl und beschließe, dass es Zeit wird zu gehen.
Ich spaziere an der Strandpromenade der weißen Welt zurück, die mich ziemlich direkt wieder zum Hostel führt. Alles in allem, ein großartiger Tag und ich lasse mich nach einer langen Dusche todmüde ins Bett fallen.
Ich verlängere meinen Aufenthalt in Mossel Bay um eine Nacht, damit ich ein bisschen mehr zur Ruhe kommen kann. Ich verbringe den Vormittag mit Blog schreiben, lasse es mir in den bequemen Sesseln gut gehen und beschließe am Nachmittag, doch noch die Zip-Line auszuprobieren.
Direkt überhalb dem Badeort, wo ich Schnorcheln war, ist die Talstation, dort wird man gewogen, ausgerüstet und abkassiert, dann geht es mit einem kleinen Bus zusammen mit ein paar anderen auf die „Klippenstation“. Spätestens dort überkommt mich eine leichte Panik… Das ist schon echt hoch hier und die Zip-Line führt über eine große Bucht nach unten… ziemlich weit über dem Wasser. Wir bekommen große, dicke Lederhandschuhe angezogen: Damit können wir uns auf dem Drahtseil abbremsen, wenn die Geschwindigkeit zu hoch ist. Oh Gott, oh gott.
Ich lasse ein paar Leute vor mir abfahren, irgendwann nehme ich dann doch meinen Mut zusammen und lasse mich mit den Rollen oben einhaken. Dann bekomme ich einen Schubs und hänge am Drahtseil. Im ersten Moment ist es richtig cool und ich fliege über die Klippen… doch dann fällt der Boden unter mir weg und ich rase in hoher Geschwindigkeit über den wilden Atlantik, der wir ein Stier unter mir schäumt und tobt. Da packt mich wieder die Panik. Der Wind dreht mich dazu noch hin und her und macht das ganze Erlebnis ziemlich wackelig. Auch dass ich mich selbst mit diesem Handschuh bremsen muss, ist eine grenzwertige Erfahrung. Ich habe zwar als Ausrüstung auch einen Windschirm bekommen, der hinter mir aufgefaltet fliegt und die Fahrt ein wenig stabilisiert… aber mir schießt trotzdem die Vorstellung durch den Kopf, wie sich meine Ankerung löst und ich fünfzig Meter in den Ozean falle, wo ich dann von den schweren Metallhaken und Rollen an meinem Gurt in die Tiefe gezogen werde.
Ich halte den Blick fest auf die Talstation vor mir, nicht nach unten schauen und endlich flacht die Fahrt ab und ich komme dem Ende nahe. Dann habe ich wieder festen Boden unter den Füßen. Mit wackeligen Knien steige ich aus dem Gurt und mein rasendes Herz beruhigt sich ganz langsam wieder… aber erst ein, zwei Stunden später bin ich wieder im Normalzustand.
Die Zip-Line in Ecuador war da deutlich besser, was ziemlich sicher damit zusammenhängt, dass ich der Länge nach in der Zipline hing, an drei Punkten fixiert und mehr das Gefühl von Fliegen als von Hängen und Baumeln hatte. Aber gut, wieder um ein Erlebnis reicher.
Auch den Rest des Tages verbringe ich ruhig, kümmere mich um meine Wäsche und am nächsten Tag bringt mich ein Taxi wieder zur „Busstation“, also der Tankstelle außerhalb der Stadt.
Weiter geht’s auf der Garden-Route.
Liebste Grüße,
Eure Jana
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