Hallo liebe Mitlesende!

Bereit für das nächste Abenteuer? Ich auf jeden Fall.

Ich stehe früh auf, ziehe meine Sportklamotten an, frühstücke gut. Thembi hat sich leider dagegen entschieden, mitzukommen, dafür bekomme ich eine neue. Und wie könnte es anders sein, es ist natürlich ein Deutscher. Ein absolutes Phänomen muss man jedoch hinzusagen. Beim Frühstück lerne ich Horst kennen, 60 in Jahren, 25 im Geiste und was hat der für eine Geschichte hinter sich. Horst hat sein Haus und all seine Habseligkeiten verkauft, ist mit dem Rucksack zur Tür raus und losgelaufen. Über den Jakobsweg einmal durch ganz Europa. Dann wollte er weiter und ist nach Marokko übergesetzt, dort ist er klassisch wie ich mit dem Bus durch den ganzen Kontinent gereist. Hier in Kapstadt sucht er nach einer Möglichkeit mit einem Segelboot rüber nach Lateinamerika zu kommen. Ich bin komplett beeindruckt!

Ihr auch?

Schaut mal zu seinem Blog 😉

Die Welt erobern mit über 60…?

Es schon viel später, als ich eigentlich vor hatte, aber gegen 8:30 sitzen wir endlich im Uber mit Rucksack und Wanderschuhen… der Tafelberg wartet auf uns! Die Sonne scheint und mein Bauch kribbelt vor Vorfreude.

Am Wanderparkplatz angekommen ist bereits einiges an Trubel los. Viele fahren mit der Seilbahn hoch, aber auch die Wanderstrecke ist beliebt und der Ausgangspunkt ist leicht zu finden.

Der Anfang der Wanderung ist wunderschön, leichte Steigung, wir klettern über einen kleinen Bachlauf und lassen uns von der Natur beeindrucken. Wir verlaufen uns ein kleines bisschen auf der Suche nach einem Pfad, aber nicht viel… und es beschert uns die ersten schönen Ausblicke.

Unterwegs überlegen wir, welchen Aufstieg wir nehmen wollen. Mehrere Wege führen zum Gipfel. Besonders einer hätte es mir angetan, aber ich bin mir unsicher, weil der wohl viel schwieriger und einige Kletterpartien dabei hat… Auch wenn wir beide top in Form sind, ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist. Horst ist da völlig unbedarft, frei nach dem Motto, erst ausprobieren, dann nachdenken. Aber er überlässt mir die Entscheidung und ich entscheide mich für den Standardaufstieg, der uns sicher nach oben bringt.

Wir finden wieder zum Weg zurück und dann beginnt der echte Aufstieg. Jetzt bereue ich sehr, dass wir nicht früher aufgebrochen sind. Viele Artikel im Internet haben mich gewarnt, man solle schon vor Sonnenaufgang los, aber ich hab die Warnung unterschätzt. Der Weg an sich ist nicht allzu kompliziert, die rigide Felsstruktur der Berge hier ist wie geschaffen für einen natürlichen Treppenweg mit angenehmen Stufen. Aber die Vegetation hier ist nicht mehr, als ein paar Büsche hoch… und die Sonne brennt uns weg. Mit uns noch viele weitere Wanderer. In jedem winzigen Schattenplatz, von denen es nicht viele gibt, sitzen keuchende Menschen. Auch wir machen häufig Pause, aber es gibt kein Entkommen, der Aufstieg liegt mitten in der (Vor-)Mittagssonne. Das ist ziemlich hart. Irgendwann schlägt der Pfad eine Kurve und führt in eine Felsspalte, die den feurigen Strahlen zumindest teilweise den Weg versperren. Außerdem wird es kühler, je höher wir kommen. Was für eine Erleichterung. Und was für ein Anblick:

Hinter der Felsspalte liegt eine andere Welt. Als wäre man durch ein Portal getreten, ist die Landschaft plötzlich wie außerirdisch. Wir sind oben angekommen.

Der Tafelberg hat per se keinen Gipfel, es ist ein riesiges Plateau: Eine Tafel eben. Die Felsformationen zeichnen eine Welt aus Stein, karge Natur und schaurige schwarzverbrannte Büsche machen eine apokalyptische Atmosphäre.

Aber die Natur hat sich eine besondere Tischdekoration für ihre große Tafel einfallen lassen:

Diese Kombination aus grauem Stein, kargem Gras und den wunderschönen pinken Blumen ist ein ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis. Horst und ich folgen dem Pfad über die steinerne Tafel und genießen den Ausblick über Kapstadt und das Meer.

Ich muss echt dringend mal nach Baden-Württemberg!!!

Also, mal wieder 😉

Nach dem langen Aufstieg in der Sonne zieht es uns zu eine erfrischend kühlem Getränk und dafür müssen wir uns leider der Bergstation der Seilbahn nähern… wo es von Touristen wimmelt. Vor allem vor sehr vielen sehr unwürdigen Touristen, die den Berg und die Natur kaum wahrnehmen, außer dem repräsentativen Foto und dem klassisch amerikanischem Essen auf der Station. Das zieht meine Laune richtig runter. Vor allem, weil wir uns verschwitzt, verdreckt und vollkommen fertig nach dem Aufstieg in eine laange Schlange müssen, voller fettleibigen Amerikanern, ihren zurechtgemachten Partnerinnen und quengelnden, Ketchup-verschmierten Kindern, die sich ihr dritten Portionen holen. Nach zwanzig Minuten im Touristenlärm bin ich richtig angepisst und bestelle endlich eine heißersehnte, kühle Cola, deren Zucker und Eis mir gerade wie der größte Luxus der Welt vorkommen… doch die Verkäuferin sieht mich nur kopfschüttelnd an. Ausverkauft. Gut, dass ich zu müde bin, um mich richtig aufzuregen. Ich nehme irgendwas anderes, hätte aber wie Horst einfach ein Bier trinken sollen, da hätte ich noch am meisten von gehabt. Alle Tische sind besetzt von faulen Touristen, also setzen wir uns auf die Treppenstufen, Hauptsache Schatten.

Wenn ich mal nicht mehr wandern kann, freue ich mich auch über die Seilbahn, aber solange ich mich noch selbst Berge hochschleppe, HASSE ich Seilbahntourismus.

Nach einer kurzen Pause besprechen wir den Abstieg. Horst hatte gelesen, dass man auf der andere Seite absteigen und an einen botanischen Garten käme. Aber genaueres kann er nicht sagen. Ich suche danach im Internet, finde aber nur Infos, die mich zweifeln lassen. Den Abstieg und botanischer Garten mit unbekannter Verkehrsanbindung? Das ist mir ein bisschen zu risikoreich, ich spüre die Müdigkeit schon in allen Knochen. Horst ist einverstanden, kurz darauf treten wir den Rückweg an. Jetzt ist es richtig angenehm die Stufen wieder hinunterzusteigen, weil der Berg den Schatten über den Pfad wirft. Trotzdem ist es ein langer Weg und als wir endlich unten ankommen, sind wir beide dankbar, dass uns der Uber keine 10 Minuten warten lässt. Unsere Füße und Knie sind ganz schön in Mitleidenschaft gezogen und wir lassen uns völlig fertig in die Sitze fallen. Bald darauf sind wir wieder am Hostel.

Was für ein tolles Erlebnis. Und ich bin um eine wirklich tolle Bekanntschaft reicher.

Am nächsten Tag entspanne ich mich nur im Hostel und plane meine Weiterreise. Ich habe mich entschieden der Garten-Route an der Küste zu folgen und außerdem noch zwei Freiwilligenangebote angeschrieben. Der weitere Weg nimmt langsam aber sicher Gestalt an und ich freue mich schon sehr darauf, diesen Kontinent noch besser kennenzulernen.

Am Abend unternehme ich einen letzten Ausflug zu einem Strand, den ich vom Lion’s Head aus gesehen habe, spaziere im Sand und beobachte die langsam sinkende Sonne.

Das Licht färbt den Tafelberg und den Lion’s Head rot-orange, der Wind weht angenehm durch meine Haare und lässt meine Sommerhose flattern, der schneeweiße Sand ist butterweich. Die Berge, die ihr seht, sind die Ausläufer des Tafelbergs, Zwölfapostel genannt… und ziehen sich noch weit an der Küste entlang, wie ich am nächsten Morgen aus dem Bus sehe.

Ich fühle mich mal wieder sehr dankbar für diese Reise, bin berührt von der Magie des Ortes und des Momentes und es war trotz großer Zweifel die einzig richtige Entscheidung, weiterzugehen.

Liebste Grüße,

Eure Jana

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